Wir grooven nur ein bisschen rum… (2007)
Interview von: Michael Dance
michaelmdance@gmail.com
Während die meisten Schauspieler ihren Ruhm einer einzigen Durchbruch-Rolle verdanken, hatte Jonathan Rhys Meyers tatsächlich mehrere. Zuerst als Brian Slade in Velvet Goldmine. Dann seine leichtere Rolle als Trainer im Überraschungshit „Kick it like Beckham“. Dann Elvis Presley persönlich, in der 2005-er Miniserie Elvis, die ihm den Golden Globe einbrachte – eine bemerkenswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass er im wirklichen Leben einen starken irischen Akzent hat.
Woody Allen’s undurchsichtiges Drama „Match Point“ brachte ihm den wahren Status eines Star’s ein: er spielte eine selbstsüchtige, umher-flirtende, aber grundsätzlich Glück habende Person, die zum Mord getrieben wird. Nach diesem von der Kritik gelobten Wendepunkt, kam eine tragende Rolle in „Mission: Impossible-3“ und eine Hauptrolle in der Showtime-Serie „Die Tudors“. Seine Rolle als junger König Henry VIII half ohne Zweifel der Serie, von der es eine zweite Staffel geben wird, ein Quoten-Renner zu werden.
Bevor die Serie zurückkommt, wird Meyers in „August Rush“ spielen, eine einfache, magische Geschichte über einen jungen Musik-Zögling (Freddie Highmore aus Charlie und die Schokoladenfabrik) der seine Eltern sucht, welche nicht wissen, dass er existiert, gespielt von Meyers und Keri Russell.
„Ich denke, Freddie ist so wie er ist, so ein liebenswerter Kerl, weil er nette Eltern hat,“ sagt Meyers über seinen unbekannten jungen Co-Star. „Sehr nett. Sehr unterstützend, aber nicht drängend. Und er hat einen tollen Bruder, Bert, ein sehr süßer Junge. Ich habe sie letzte Woche getroffen, und wir sind zu einem Fußballspiel nach London gegangen, denn wir mögen Beide die gleiche Mannschaft und wir haben Beide Dauerkarten.
„Er ist erwachsener als auf dem Papier, denn die Erfahrungen die er gesammelt hat, machen ihn älter“, fährt Meyers fort. „Aber er ist nicht frühreif. Er ist immer noch ein Kind, und ich denke das ist der Verdienst der Eltern. Aber wirklich, wenn man ein echtes Gespräch mit ihm anfängt, merkt man, dass er auch erwachsen ist. Denn er lebt unter Erwachsenen, wissen Sie, Du musst um 8 Uhr am Set sein, und Du würdest lieber mit Deinen Freunden Fußball spielen, aber Du musst am Set sein. Mit Johnny Depp. Oder mit Luc Beson. Oder mit Keri Russell.“
Meyers selbst hatte viel Spaß in seiner Rolle eines ehemaligen Lead-Sängers in einer Rockband. „Es war eigentlich mehr Spaß, wirklich – denn wir hatten dieses Studio und Paul Simon nahm dort gerade sein neues Album auf,“ schwärmt Meyers ehrfürchtig. „Sie können sich das so vorstellen, ich stehe draußen und rauche meine Zigarette, die Gitarre hängt mir über der Schulter und ich fühle mich cool. Und Paul Simon kommt und ich sage „Hey, wie geht’s, Paul.“ „Hey, was ist los.“ „Yeah, nichts, ich nehme nur was auf.“ Er platzt vor Lachen aber hält die Scharade aufrecht. „Yeah, nur ich und ein paar Jungs. … Wir grooven nur ein bisschen rum. …”
Die Proben waren nicht so schwer, denn – Meyers hat einen soliden musikalischen Hintergrund. „Ich spiele ein wenig Flöte. Die Gitarre. Singe. Wissen Sie, die normalen irischen Sachen… Meine drei Brüder sind Musiker. Einer von ihnen spielt im Film meinen Drummer. Mein Vater macht Musik. Alle meine Tanten sind Chorsängerinnen.
In der Tat war sein Vater der Bassist einer Band, aber es war nicht gerade typische irische Musik. „Country Western, Baby. Er war in einer Country Western Band namens Hector Pick Axe & the Floatin’ Crowbars.” Meyers fällt in einen überraschend guten Südstaatenakzent. “Mein Daddy war der Bass-Gitarrist.”
Meyer’s Erziehung war kaum typisch. „Vor ein paar Jahren gab ich ein Interview und jemand schrieb, dass ich in einem Waisenhaus aufgewachsen bin. Das bin ich nicht. Aber ich lebte eine Art von Straßenleben, ich schwänzte viel die Schule. Wissen Sie, nur eine schief gelaufene Jugend…Sie waren einfach dabei, denn Irland war in den 80igern definitiv eine andere Welt. Du bist da aufgewachsen – keinen Fernseher, keine Autos, Satellitenschüsseln, Videorekorder und solche Dinge – das hat es bei uns nicht gegeben. Das war mein „Grosswerden“. Und tatsächlich, ich hab es gemocht. Aber meine Eltern waren nicht zusammen, und einer war ein Musiker. Es war aus dieser Sichtweise sehr ähnlich (zu August Rush).
Und wie war es bei den Tudors? „Die nächste Staffel, was kann ich Ihnen über die nächste Staffel verraten? Es ist so böse, es ist so schlimm was mit diesen Leuten passiert. Du darfst nicht feige sein, wenn Du jemandem den Kopf abschlägst. Das ist kein angenehmer Job. Als Catherine Howards Kopf abgeschlagen wurde, verkeilte sich die Klinge in den Knochen. Er benötigte vier Schläge. Für Anne Boleyn lies er ein Schwert anfertigen. Ein Schwert, das sauberer schnitt. Er lies es anfertigen und gravieren. Das war der Niedergang der Boleyn Familie – sie wurden wie wilde Tiere zerrissen.“
Also dann. Irgendwelche….gute Nachrichten? „Peter O’Toole spielt den Papst. Er ist herrlich…Mein Henry ist diesmal älter. Ich habe einen kleinen Bart, mein Haar ist länger, und ich habe 14 Pfund Muskelmasse zugelegt. Ich wollte nicht zunehmen, denn ich kann keinen fetten Henry spielen.“ Er gestrikuliert in Richtung seines drahtigen Körpers. „Wissen Sie, ich kann das einfach nicht – wenn sie das wollten, müssten sie sich einen anderen Schauspieler suchen. So fing es an: Ich kann das nicht spielen, also suchen sie jemand anderen, wenn ihr Charakter so sein soll. Ich wollte den Charakter ein klein wenig anders darstellen. Also habe ich ein bisschen Muskelmasse aufgebaut und mit den Kostümen sehe ich aus wie mit 34 oder 35 Jahren. Und das Drehbuch ist sehr, sehr scharf…
Es ist viel schneller. Und es ist viel mehr eingebunden…es gibt zwei oder drei weitere, absolut schöne Mädchen, also wurde das sexuelle Element definitiv gewahrt, aber das politsche Element ist jetzt sehr viel wichtiger in der zweiten Staffel.“
Und wie war es mit diesen historischen Kostümen? “Wenn Du die zweite Staffel der Tudors gedreht hast, ist das Kostüme anziehen, als wenn man Jeans und T-Shirt anzieht. Mittlerweile bin ich es gewohnt sie zu tragen. Aber es war lustig Ryan Seacrest bei den Emmys im Kostüm zu sehen.“ Er kichert „Man sah ihm an, dass es unbequem war.“





