Scarlett Johansson und Jonathan Rhys Meyers reden über Match Point


Das Paar spricht über Woody Allen, Glück und wie man Sexszenen im Regen dreht

Match Point ist Woody Allen’s bester Film seit zehn Jahren. Es ist eine dunkle und heimtückische Abweichung von seinem üblichen leichtherzigen Stil. Allen platziert seine Schlussfolgerung von Glück, indem er Scarlett Johansson und Jonathan Rhys Meyers in ein ehebrecherisches Netz einspinnt. Der Film ist sicherlich bis jetzt die deutlichste Rolle für Scarlett. Sie wird mit mehr Erwachsenen-Themen konfrontiert , und schafft es mit dieser Vorstelltung auf ein höheres Level. In der Komödie „Scoop“ bildet sie im nächsten Jahr wieder ein Team mit Allen. Joanthan bekommt nächsten Sommer sein größtes Publikum, in einer Nebenrolle zu Tom Cruise in Mission Impossible 3.

Dies ist Ihre erste „Femme Fatale“ Rolle. Wollten Sie lieber mehr sexy angehauchte Erwachsenen-Rollen spielen?

Scarlett Johansson: Ich weiss gar nicht, dass ich eine Femme Fatale spiele. Ich denke, meine Filmperson ist zuversichtlich und sexy, aber ich glaube wirklich nicht, dass es eine Femme Fatale ist. Ich denke nicht, dass sie sich auf diese Beziehung einlässt, um Jonathans Leben oder Ehe zu ruinieren. Es entwickelt sich nur aus reiner Verzweiflung dahin, und er belügt sie.

Sie müssen bei Woody einen guten Eindruck hinterlassen haben. Sie sind eine der wenigen Schauspielerinnen, die mit ihm zwei Filme hintereinander gedreht haben.

Scarlett Johansson:
Woody und ich haben eine schauspielerische Beziehung. Ich denke, er wollte eine Komödie, also schrieb er eine Komödie für uns (Scoop), und wir sind wieder alle nach London gegangen. Dieses Mal musste ich mit ansehen, wie er seine Nase gepudert bekam. Ich fühlte mich sehr geehrt und hatte viel Spaß, und es ist schön zu wissen, dass Du jemanden magst, der Dich genauso mag.

Im vergangenen Jahr haben wir Woody über „Melinda und Melinda“ interviewt. Er hat Sie richtig gelobt und es ist sehr selten, dass er so voll Lob ist. Er ist doch am Set immer so still, wie hat er Ihnen denn mitgeteilt, dass er mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden ist?

Scarlett Johansson: Ich glaube, das war mehr so zwischen Tür und Angel. Wir waren darin ein gutes Duo. Ich kann ihn hochnehmen wie einen Blödmann. So ging das mit uns vor sich. Es war sehr leicht. Ich verließ das Projekt und sagte, „Ich schreibe Dir und schicke Dir Briefe“ und bevor wir uns versahen, war es schon wieder an der Zeit zu drehen.

Jon, waren Sie überrascht als Sie das Drehbuch gelesen haben und zum dritten Akt gekommen sind?

Jonathan Rhys Meyers: Ich war nie überrascht, wie sich sowas entwickelt. Ich hatte es schon halbwegs erwartet. Ich hatte kein Drehbuch bis er (Woody Allen) es mir angeboten hat. Ich habe es nur angenommen. Jeder junge Schauspieler der in einem Woody Allen Film mitspielen darf, wird spielen, unabhängig davon, was es ist. Als ich das Drehbuch öffnete, war das für mich wie, „ Ich habe 4 oder 5 gute Szenen, ich werde jemandem weh tun und ich bekomme das Geld.“ Und dann musste ich mir das Drehbuch durchlesen und es dämmerte mir, wie viel Arbeit ich für diesen Film zu leisten habe. Die Reaktion von meinen Kollegen, als ich ihnen sagte, dass ich die Hauptrolle in einem Woody Allen Film spielen würde, war eine Mischung aus Schock und Eifersucht. Ich habe es sehr genossen, aber ich konnte Woody nicht auf ein Podest stellen, sonst wäre ich nicht in der Lage gewesen, mit ihm zu arbeiten. Ich musste mich ihm anpassen, um mit ihm arbeiten zu können.

Scarlett, waren Sie schockiert über die dunkle Wendung im Film?

Scarlett Johansson: Da war ich tatsächlich schockiert. Ich konnte nicht glauben, dass es so weit kommen würde. Du bekommst nie Mitschnitte oder Monitore zu sehen. Eines Tages erwischte mich Woody dabei, wie ich einen Blick auf den Monitor warf, und er führte sich auf wie ein Affe. Und ich dachte, „Oh Gott, hoffentlich funktioniert das und hoffentlich ist es nicht so unglaubwürdig. Ich glaube, wenn Sie als Zuschauer den Film sehen, werden Sie durchdrehen, bei dem was Jonathans Filmperson tut.

Glauben Sie, dass man den Film durch die schockierende Wendung aus einer anderen Sichtweise sieht?

Scarlett Johansson: Die Story ist wie sie ist. Wir würden mit Sicherheit nicht hier sitzen, wenn es nur ein gewöhnlicher Film wäre.

Woody hat einen sehr markanten New Yorker Akzent, aber dieser Film hat irische und englische Hauptdarsteller. Hatten Sie am Drehort die Möglichkeit den Dialog zu ändern, um das Ganze etwas authentischer zu machen?

Jonathan Rhys Meyers: Natürlich, Woody ist ein sehr intelligenter Mann und wenn sich etwas nicht gut anhört, kann ich es jederzeit ändern. Das ist sehr schön, von einem Schauspieler seiner Größe. Obwohl er das Drehbuch geschrieben hat, und er beim Schreiben darauf geachtet hat, wenn es sich nicht natürlich anhört, hat er kein Problem damit, es zu ändern. Es waren ein paar Kleinigkeiten, aber nicht viele. Ich bin mit dem amerikanischen Fernsehen aufgewachsen. Amerikaner sind international für uns und wir wuchsen mit denselben Programmen auf, die sie auch haben. Bezüglich der Dialog-Änderung im Drehbuch: die Person ist kein Ire im Drehbuch, er ist nur ein Ire weil ich Ire bin. Und Woody sagte, „Hey, möchtest Du ihn irisch spielen?“ und ich sagte „warum nicht!“. Das war lustig, denn es gibt keine irischen Tennisspieler (lacht). Das war ein kleiner Insider-Witz von mir.

Was halten Sie von der Aussage des Films über Glück? Sie Beide hatten sicherlich mehr Glück als die meisten anderen.

Johansson: Ich versuche mich daran zu erinnern, was Woody mir gesagt hat, wie ich diese Frage beantworten soll (lacht). Ich hadere mit der Idee von Glück und Schicksal. Einer der Handlungsstränge des Films ist „Es ist erschreckend zu denken, wieviel Glück man in der Zukunft haben könnte und erschreckend zu denken, dass es in Deiner eigenen Hand liegt.“Du fühlst Dich, als ob Du diese Entscheidungen selbst triffst, aber sie beeinflussen Deine Lebensweise, und am Ende, kann ich dann sagen, dass ich mich wie eine glückliche Person fühle? Ja, ich fühle mich verdammt glücklich. Ich habe einen Job, den Einen unter Millionen. Ich bin in der Lage etwas machen zu können was ich liebe und werde noch dafür bezahlt. Ich kenne nicht viele Leute, die das sagen können. Wenn ich zurück denke, als ich noch ein kleines Mädchen war, singend, tanzend und wollte unbedingt Schauspielerin werden, fühle ich, dass ich da bin, wo ich immer sein wollte. Also habe ich vielleicht mein eigenes Schicksal erfüllt. Was sagt der Film darüber aus? Ich vermute, dass einige Personen Glück haben – ich werde leider sehr unglücklich.

Jonathan Rhys Meyers: Die Frage nach Glück in dem Film, ich denke Glück hat schrecklich viel mit Gut und Böse zu tun. Aber für die Figur von Chris ist Glück, dass er Vorbereitungen treffen kann. Sie sehen ihn die ganze Zeit, wie er sich darauf vorbereitet, die soziale Leiter hochzuklettern. Er ist in seinem Zimmer und liest Dostoevsky, er macht alles richtig, er nimmt die Einladung in die Oper an…dass ist alles seine Vorbereitung um seine Chance zu ergreifen. Die Gelegenheit dazu kommt in der sehr schönen Erscheinung von Cloe (Emily Mortimer). Liebt er sie? Ja, das tut er. Wer würde das nicht? Sie ist schön, nett, warmherzig und intelligent. Sie ist sehr wohlhabend, das macht sie sehr attraktiv für den jungen Iren. Und daher packt er die Gelegenheit beim Schopfe – das ist die eine Qualität die Chris besitzt: er ist in der Lage die Gelegenheit wahrzunehmen, wenn sie ihm ins Gesicht schaut. Das können nicht viele Leute, und dieses Thema zieht sich durch den ganzen Film. Im täglichen Leben , ergeben sich für uns viele Gelegenheiten, und die meisten unter uns nehmen diese nicht mal wahr. Man hört immer „Hast Du schon mal ein schönes Mädchen oder einen tollen Mann im Zug gesehen und nicht angesprochen?“ und danach grübelst Du, „tja, was wäre passiert, wenn ich wirklich Hallo gesagt hätte“? Wäre mein Leben dann anders? Nun, Chris ist die Person die „Hallo“ sagt, und versucht es zu erreichen.

Er spielt ein aggressives Spiel…

Jonathan Rhys Meyers. Ja das tut er. Es ist ein Spiel, und er weiss wie man es spielt. Ein Lächeln von einer attraktiven Frau in einer Bar endet nicht selten in einer sexuellen Beziehung. Aber Du bist ein Narr, wenn Du nicht die Gelegenheit ergreifst und so weit gehst, wie Du kannst, und er ist dieser Mann.

Sie beide haben eine ganze Reihe sehr erotische Szenen im Film. Woody ist bekannt dafür, seinen Schauspielern freien Lauf zu geben. Wie hat er diese Szenen gedreht, z.B. als sie sich im Regen im Getreide herumwälzen?

Johansson: Ja, es war ziemlich erbärmlich, wirklich.

Rhys Meyers: Vielen Dank.

Johansson: Entschuldige (lacht). Ich muss sagen, das einzig Schöne daran, war Jonathans warme und süße Umarmung. Ich hatte dieses sehr dünne T-Shirt an, in diesem ströhmenden Regen, dieser Film-Regen der auf Dich drauf prasselt mit diesem eiskalten Regenwasser. Und ich habe eine leichte Gräser-Allergie, es war einfach nur schrecklich. Ich hatte einige Tage ein geschwollenes Auge. Er hat mir in die Lippe gebissen, tatsächlich waren meine Lippen aufgesprungen. Und er schickte mir Blumen am nächsten Tag weil er ein schlechtes Gewissen hatte. Es war so süß. Es hat verdammt weh getan – ich habe mir die Blumen wirklich verdient. Es war wirklich nicht sehr sexy, das zu spielen. Aber Woody ist sehr schüchtern, er sagte sowas wie, „Okay, macht es einfach“.

Er ist ein bisschen gehemmt, was sehr dumm ist, denn es ist wie es ist, „Lass Dich fallen, rolle Dich über ihn, in Zeitlupe…“ Gehemmt sein ist da sehr umständlich.

Rhys Meyers: Das gute daran ist ja, dass Scarlett und ich in unserem richtigen Leben schon sexuelle Beziehungen hatten, also war es ja nicht so, als ob wir nicht wüßten, um was es geht und was gut ist und was nicht gut ist. Aus dieser Sichtweise war es keine schwierige Szene. Ist es schwierig weil es Scarlett Johansson ist? Nein, es ist schwierig Ewan McGregor zu küssen.
Ich werde von den Leuten gefragt, „Macht es Ihnen Spaß, solche Szenen zu drehen?“ Sollte ich jetzt schüchtern sagen dass dies ein Teil meiner Arbeit ist? Nun, natürlich ist es ein Teil meiner Arbeit und es ist ein angenehmer Teil meiner Arbeit. Ja, das ist es. Denn Du kannst moralisch fragwürdige Dinge tun, ohne besorgt darüber sein zu müssen, was die Leute von Dir denken…Ich kann mich mit Scarlett im Bett rumwälzen, muss mich nicht mit ihr unterhalten, muss ihr keinen Kaffee und kein Abendessen bringen (lacht). Das ist wirklich angenehm. Du kannt einfach weggehen und sagen „So, das war’s jetzt.“

Scarlett bekam eine Ölmassage von Ihnen.

Jonathan Rhys Meyers: Ja, das hat sie!

Scarlett Johansson: Er hat den Dreh wirklich raus.

Scarlett ist eine wunderschöne Frau, das hilft. Es könnte etwas schwieriger werden, wenn ich einen Zungenkuss mit Richard Simmons in einem Film hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das gefallen würde, aber weil ich ein professioneller Schauspieler bin, würde ich dabei lächeln.

Können Sie uns etwas über Ihre Rolle in Mission Impossible 3 erzählen? Sie waren mal dafür vorgesehen, und jetzt spielt Jon die Rolle. Sind Sie enttäuscht darüber, dass Sie nicht auch mitspielen?

Scarlett Johansson: Es war etwas komisch, weil ich dafür trainiert habe als wir Match Point drehten, und nun hat Jon die Rolle und ich kenne die ganze Geschichte. Ich arbeitete wieder mit Woody im Sommer in London und überliess die Rolle Jonathan. (lacht).

Rhys Meyers: Ja, es ist schwer für mich mit falschen Titten und einer blonden Perücke herumzurennen. Was kann ich Ihnen über Mission Impossible sagen? Nicht viel. Außer dass JJ Abrams die guten Elemente aus Brian de Palma’s Mission Impossible übernommen hat, zusammen mit den sehr glänzenden Stunt-Elementen von John Woo und diese in einem sehr intelligenten Script vereint hat. Dazu eine unglaublich gute Besetzung wie z.B. Philip Seymour Hoffman und Billy Crudup und Laurence Fishburne. Diese Jungs sind keine unbekannten Heinis, sie sind alle hochintelligente und talentierte Schauspieler. Ving Rhames war quasi hineingeboren in die Rolle von Luther und er kann das so gut, es ist seine zweites ich. Und Tom (Cruise) …Ich kenne niemand anderen der Ethan Hunt spielen könnte, denn er ist Ethan Hunt.

Spielen Sie in dem Film einen guten Kerl oder einen Bösewicht?

Rhys Meyers: Ich kann es Ihnen nicht sagen. Sie müssen sich Ihre eigene Meinung darüber bilden.
Sonst müsste ich Ihnen Ihr Erstgeborenes wegnehmen.

Quelle: Julian Roman, 22. Dezember 2005, movieweb.com