Jonathan Rhys Meyers spricht über „Match Point“
Rhys Meyers über „Match Point“, Woody Allen und wie es ist, Scarlett Johansson zu küssen
Von Rebecca Murray, About.com
Jonathan Rhys Meyers spielt in „Match Point“ einen Tennis Profi, der sich mit einem wohlhabenden Förderer des Tennis Clubs anfreundet, in dem er arbeitet. Es ist Woody Allens erster Film, der in London spielt und gedreht wurde.
Rhys Meyers spielt Chris Wilton, einen Mann, der mehr aus seinem Leben machen will, als einfach nur den Leuten beizubringen, wie man den Tennisball übers Netz schlägt. Sein Leben ändert sich schlagartig, als er sich mit Tom Hewett (Matthew Goode) anfreundet, Tom’s Schwester Chloe (Emily Mortimer) verfällt, und sich dann auf eine Affäire mit Tom’s sexy Freundin Nola (Scarlett Johansson) einlässt.
Jonathan Rhys Meyers erklärt Woody Allens Entscheidung für London: „Ich denke Woody hat eine bestimmte Vorstellung von London, aus der Sichtweise eines Mannes, der die nötigen Mittel hat.. Es ist sehr vergleichbar mit New York, er hat einige Zeit dort gelebt und Musik gemacht. Und er schrieb „What’s New, Pussycat“ während er in London lebte. Und er schrieb tatsächlich das meiste davon an dem Ort, an welchem wir die Szene gedreht haben, wo ich und Scarlett nach ihrem gescheiterten Vorsingen hingehen.
Er hat eine gewisse Sichtweise von London und ich glaube, er sieht eine gewisse Ähnlichkeit mit Manhatten. Er nutzte den eigenen Charakter der Stadt. Du fühltest Dich von den Situationen die in der Stadt vor sich gingen beeinflusst, und das soziale Klassensystem in New York und London ist sehr ähnlich. Match Point wurde für New York geschrieben. Es hätte ein Tennis Trainer in den Hamptons sein können, aber er bekam das Geld dafür in London, daher bevorzugte er es, dort zu arbeiten.“
Jonathan Rhys Meyers teilt die Ansicht von Woody Allen, Match Point in England zu drehen. „Ich denke, dass es sehr schwierig ist, von den Leuten Geld für einen Film zu bekommen. Es ist ein Risiko. Es gibt keine Garantie. Woody sagte am letzten Abend, dass er nach London zog, weil sie ihn dort arbeiten lassen, wie er es möchte. Er lässt niemanden sein Drehbuch sehen. Produzenten dürfen nicht die Tageszeitungen lesen. Du gibst ihm eine Tasche voller Geld, er gibt Dir einen Film. Sie gestatten es ihm, so in London zu arbeiten. Er kann so nicht mehr in Amerika arbeiten. Die Produzenten möchten zu viel Einfluss nehmen. Sie wollen Einfluss beim Schneiden des Films. Sie möchten die Zeitungen sehen, sie möchten den Film mitgestalten damit er garantiert erfolgreich wird. Und vor kurzem hatte Woody Probleme, weil er sich manchmal nicht an Dinge hält, und das ist sehr riskant.
Da müssen wir uns doch fragen, „Würdest Du zwei Millionen Deines hart verdienten Geldes für einen Film ausgeben, wenn Du keine Garantie hast, dass Du Dein Geld wiederbekommst?“
Ich glaube, dass ist sehr, sehr riskant. Ich denke, die Produzenten haben es da sehr, sehr schwer, weil sie finanzielle Belastungen tragen müssen, die ich als Schauspieler nicht kenne. Ich denke wie ein Schauspieler. Ich bekomme mein Gehalt, ich drehe den Film und ich mache den nächsten Job. Aber sie müssen das die ganze Zeit im Auge haben, und sie haben ihre eigenen Familien und ihr eigenes Leben, also ist es auch ein wenig riskant. Ich schätze es sehr, wenn sie es tun, aber manchmal ist es frustrierend, wenn sie es nicht tun.“
Jonathan Rhys Meyers bewundert Allen’s Regiearbeit: „Er fühlt sich sehr wohl in seiner Haut, auch wenn wir eine neue Kulisse aufbauen. Woody würde nichts davon halten, mal eine Pause zu genehmigen. Er sitzt nur auf dem Sofa, während alle anderen ihre Arbeit machen.
Ich erinnere mich daran, dass Scarlett eines Tages einen Aufkleber auf Woody’s Revers klebte, auf dem stand „Hallo, mein Name ist Dennis“. Woody hat das für viele, viele Stunden nicht bemerkt. Aber als er es gemerkt hat, war er sicher, dass es Scarlett war. Denn wer sonst hätte so viel Mut, ihm „Hallo, mein Name ist Dennis“ auf sein Revers zu heften. Es ist seltsam. Seine Beziehung mit Scarlett war sehr lustig, weil sie ihn so amüsierte. Ich denke, wenn Woody ein 21-jähriges Mädchen sein könnte, würde er Scarlett Johansson sein.“
Jonathan Rhys Meyers über die Kuss-Szene im Regen: Wir hätten es im Trockenen machen können, aber ich bin mir nicht sicher, wie es geschrieben war. Ich kann mich nicht erinnern, aber es ist so sexy im Regen. Es musste sein, aber es war sehr unangenehm. Scarlett tat mir leid, da ich ihr auf die Lippen gebissen habe. Es war sehr leidenschaftlich, denn es war meine Chance es auszukosten.“
Rhys Meyers Co-Schauspielerin Scarlett Johansson sagte, er habe ihr Gesicht während der leidenschatlichen Liebesszene im Regen verschlungen. „Wenn ich gefragt werde, wie es ist, jemand anderen zu küssen, sage ich, es ist ein großes Vergnügen. Es ist ein großes Vergnügen, denn Du wirst da in etwas verwickelt, dass Dir in Deinem normalen Leben nie passieren würde, und Du wirst dafür nicht verurteilt. Auch wenn es eine sexy Szene im Film ist, der Dreh ist nie besonders sexy. Aber es ist unglaublich sexy anzusehen. Die Art und Weise wie Woody es drehte und wie Scarlett es darstellte, und die Energie die wir zusammen versprühten, es war sehr heiß. Heißer als ich dachte, dass es werden würde. Du findest einen 69 Jahre alten Mann vor, der versucht eine Sex-Szene zu drehen, und Du fragst Dich, ob er das selbst erlebt hat, aber er löste das sehr schön.“
Jonathan Rhys Meyers über die Doppelaffäire: Rhys Meyers Filmperson in Match Point trifft sich mit zwei Frauen, aber im wirklichen Leben, sagt Rhys Meyers, würde das nie passieren. „Nein, ich würde mich niemals darauf einlassen. Das sind für mich umständliche, langweilige, schlechte und anstrengende Situationen – wie chinesische Folter im Wasser.“
Jonathan Rhys Meyers über die Arbeit mit gleichaltrigen Schauspielerinnen: Rhys Meyers sagte, das Alter spiele keine Rolle. „Ich drehte mal eine Szene mit einem 9-Jährigen, er war der verdammt beste Schauspieler, den ich in meinem ganzen Leben getroffen habe, ein verdammtes Genie, und er überspielte mich total. Shirley Temple war mit 4 Jahren eine bessere Schauspielerin, als viele andere Frauen, die in ihrer Zeit drehten. Ich glaube nicht, dass es etwas mit dem Alter zu tun hat. Nathalie Wood oder Nathalie Portman oder Leonardo (DiCaprio); das sind Darstellungen, die einem im Gedächtnis hängen bleiben.
Es kommt drauf an, was in der Person steckt, und nicht wie alt sie ist. Es ist leicht, mit Menschen zu arbeiten die Talent haben und Scarlett (Johansson) ist sehr, sehr talentiert. Ich arbeitete mal mit einem Schaupsieler der verdammt noch Mal nicht schauspielern konnte, und das war richtig frustrierend, sehr frustrierend. Acht Versuche später hatte der Kerl immer noch nicht ins Schwarze getroffen und ich war frustriert. Es sollte mich zwar nichts angehen, aber das tat es doch. Ich glaube, ich ging raus und trat ein paar Mal an einen Wohnwagen, nur um mich abzureagieren. Und ich bin mir sicher, dass ich einige Leute sehr verärgert habe. Tom Wilkinson nannte mich einmal verrückt. Das war wohl, als ich sehr frustriert war.“
Jonathan Rhys Meyers analysiert seine Filmfigur: Chris (Rhys Meyers) heiratet Chloe (Emily Mortimer), aber ist verrückt nach Nola (Scarlett Johansson). Nola erklärt Chris den Grund, warum seine Frau nicht schwanger wird, denn er liebt sie nicht. Rhys Meyers ist der Auffassung, dass diese Beschreibung nicht unbedingt auf seine Filmbeziehung mit Emily Mortimer zutrifft. „Ich denke, Sie müssen das aus der Sichtweise der verzweifelten Person sehen, zu der Nola sich während der Dauer der Affäire entwickelt. Sie klammert sich an Strohhalme. Chris gerät immer mehr ins Stocken und er verzweifelt dabei. Du musst daran denken, dass sie die andere Frau ist. Wenn sie sagte: „Weisst Du, der Grund, warum Deine verdammte Frau nicht schwanger wird, ist, weil Du sie verdammt noch Mal nicht liebst. Mit mir ist es Liebe.“ Da ist eine sehr verletzte Frau. Es ist, als ob man mit jemandem spricht und versucht auf denjenigen einzuwirken.
Jonathan Rhys Meyers ist eine Fitnessstudio-Ratte: Es spielt in Match Point einen Tennisprofi und auch im richtigen Leben ist er sehr sportlich. Ich wurde während des letzten Jahres zu einem Fitness-Freak. Ich war sehr schmächtig. Ich wollte meine Figur verändern als ich älter wurde, damit ich weniger wie ein Junge aussah. Jetzt bin ich 28 Jahre alt und ich sehe ein bisschen jünger aus. Die besten Rollen für einen Schauspieler kommen nicht wirklich ab dem 31-32 Lebensjahr. Um die Rollen zu bekommen, die Du gerne haben möchtest, musst Du ein Mann sein, bevor Du einen Mann spielen kannst. Also dachte ich, wenn ich meinen körperlichen Zustand verändere, würde das vermutlich ein paar Türen mehr für mich öffnen.“
Jonathan Rhys Meyer’s nächstes Projekt: Mission Impossible 3. Rhys Meyers darf nicht über den neuen Tom Cruise Film, Mission Impossible 3, sprechen. Er darf noch nicht mal bestätigen oder verneinen, ob seine Filmfigur ein böser Kerl ist. Aber fragt man ihn nach den Dreharbeiten zu den Action-Szenen, wird Rhys Meyers gesprächig und gibt eine Menge Informationen bekannt.
„Die meisten Action-Szenen hat Tom, denn er ist verdammt gut darin. Wenn ich darüber nachdenke, ist er wahrscheinlich einer der besten Stuntmänner der Welt. Das hat mir definitiv die Augen geöffnet, denn in meinem nächsten Film werde ich viel Aktion haben.
Während wir Alexander drehten, wurde mir klar, dass man 25 % mehr Drehzeit hat,wenn man seine Stunts selbst macht, als wenn man sie einem Stuntman überlässt. Es verlangt Dir unheimlich viel im Job ab, wenn man sowas selbst tun kann. Wenn Du keine Stunts machen kannst, verkürzt Du Deine Bildschirmpräsenz. Das ist der Grund, warum Tom Cruise jeden seiner Stunts selbst ausführt. Es gibt keine Stuntmänner.
In dem was er tut, ist er wahrscheinlich der Beste auf der Welt. Er hat Dinge gemacht, die für mich unglaublich sind. Vor allem eine Sache, während wir Mission Impossible drehten. Er fiel von der Vatikan-Mauer, welche 23 Meter hoch ist. Er hing an einem Seil und fiel kopfüber runter und blieb 0,5 cm über dem Boden hängen. Da es eine ausgedehnte Produktion war, hatten wir mehrere Filmcrews. Wir wollten gerade rüber gehen, als wir das hörten. Sein erster Versuch und jeder dachte, er sei auf dem Boden aufgeschlagen und wieder zurückgeschnellt. Natürlich sagte er „Mir geht’s gut, mir geht’s gut und jeder kam rüber und fragte ihn „Geht es Dir gut Tom?“ So ist er. Er ist verdammt cool!
Später, als er gerade über den Pendel-Dreh sprach, den er machen wollte, sagte ich zu ihm: „Das war so verdammt cool.“ „Ich soll cool sein? Ich sag Dir was cool für mich ist: eine John Wayne Dreierfolge im Fernsehen. Sich über Edgar Allen Poe’s Grube zu schwingen und das Pendel über dem Haifischbecken oder was auch immer am Tag noch kommen kann, ist in meinen Augen nicht cool. Es ist purer Wahnsinn“. Aber er ist sehr gut darin. Denn er arbeitet sehr viel. Er setzt sein Adrenalin frei und bringt alle seine Kräfte auf. Es ist bewundernswert. Ich bin nicht sicher, ob ich das auch tun könnte, aber ich bewundere die Leute die es können.“





