Es ist immer noch gut ein König zu sein


Im vergangenen Jahr versuchte Kirsten Dunst, Marie Antoinette auf der großen Leinwand neu zu erfinden. Jetzt kommt Jonathan Rhys Meyers’ Angriff auf die Rock n’ Roll Hoheiten mit der neuen Showtime Serie "The Tudors".

Freitag, 30. März 2007
von Shelley Gabert

Von Graceland ins Land der Könige

Tudor England ist gerade jetzt sehr heiß. Letztes Jahr wurden wir mit der glorreichen Helen Mirren in Elisabeth auf HBO gefüttert, sowie mit The Queen, und derzeit befindet sich der Film The Other Boleyn Sister in der Produktion, basierend auf der Grundlage von Phillipa Gregorys Roman, über die konkurierende Beziehung zwischen den beiden Boleyn-Schwestern, Mary und Anne. Der Mann, der auch einen Golden Globe und eine Oscar Nominierung für das Queen Drehbuch erhielt, Peter Morgan, ist der Autor des Boleyn-Dramas, und die des britischen Akzentes mächtigen Schauspielerinnen Natalie Portman und Scarlett Johansson füllen die Korsagen von Anne und Mary aus. Jetzt an Weihnachten 2007, wird dessen Erstausstrahlung, Morgan’s unglaublichen Erfolg wahrscheinlich fortsetzen. Natürlich kann es nicht schaden, Eric Bana als König Henry VIII zu haben. Der Vater ist der Auslöser eines Großteils der Machenschaften der Schwestern. Die Hassliebe zwischen dem König und der Tochter Anne wurde schon früher von der Royal Shakespeare Company bis zum Masterpiece Theater behandelt. Nun auch bei Showtime’s The Tudors, einer zehn Episoden Serie, die am Sonntag um 22 Uhr anläuft und die Geschichte mit Neuem auffrischt, nämlich mit Jonathan Rhys Meyers.

Er hat in diesem Jahr einen Golden Globe für die Darstellung des King of Rock’ n Roll bekommen, so scheint es nur natürlich, dass er jetzt König Henry VIII spielt. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass Showtime in einer Reihe von Promos, König Henry VIII als den Rockstar seiner Zeit bezeichnet. „Bei Elvis musste ich mich wirklich daran halten, wie Elvis war,“ erklärt Rhys Meyers während einer Telefonkonferenz. „Und Henry VIII konnte ich darstellen, wie ich ihn haben wollte. Es ist, wie ich Henry sehe.“ Zum Beispiel, als ein junger, schneidiger und leidenschaftlicher Mann, der athletisch ist, reitet und in den Betten vieler Frauen landet. Dennoch versucht dieser König verzweifelt, ein guter Führer zu sein und eine gute langlebige Geschichte zu hinterlassen. Ausschliesslich in Irland gedreht, wirken die Tudors fast zeitgenössisch, was Absicht ist, wie Rhys Meyers sagt. Ziel war, einen großen Bogen um ausladende pompöse Kostüme und höfliche, sittliche Handlungen und Dialoge zu machen. „Wir müssen erreichen, dass sich das Publikum für diese Zeit interessiert, und müssen daher attraktiv für das Publikum sein,“ betont der 29-jährige gebürtige Dubliner. „ Denn sonst, wird es sehr steif, und das ist das Problem, wenn man diese Periode verfilmt. Wenn man sich zu sehr in diese Periode vertieft, wird es steif und langweilig.“

Laut dem Autor und Schriftsteller Michael Hirst, der auch das Drehbuch für den Cate Blanchett Film Elisabeth schrieb, sind 80 % der Geschichte historisch korrekt. Die Serie umfasst zehn Jahre im Leben des Königs, beginnend mit der Scheidung von Königin Katherina von Aragon (Maria Doyle Kennedy). Dann gibt es den intrigierenden Kardinal Wolsey (Sam Neill), seinen Mentor Sir Thomas More (Jeremy Northram) und die manipulierende aber verführerische Anne (Natalie Dormer). Puristen wird ohne Zweifel auffallen, wie die Geschichte mit der Schwester des Königs, Margaret (Gabrielle Anwar) verändert wurde, ebenso wie die Idee, den dünnen Rhys Meyers zu casten und ihm freien Lauf zu geben, wie er den Charakter spielen soll. „Ich hatte das sagen, wie der Charakter gespielt werden sollte,“ verrät Rhys Meyers. „Wissen Sie, als Michael uns geschrieben hat, und als er uns unterrichtet hat, sagte er, „Das ist Euer Ding. Ihr könnt machen was ihr wollt. Den Text habt Ihr ja schon. Wie Du Henry spielst, ist Dir überlassen. Ich werde Dir dabei so gut es geht helfen.“ „Er war so, ‘Ich bin nicht der Schauspieler. Du bist der Schauspieler’“ fügt er hinzu. „Woody (Allen) war genauso, als ich Match Point drehte. Er sagte,“Mach einfach, was Du tun möchtest. Du bist der Schauspieler. Es ist Deine Rolle.’“ Auch wenn die Interpretation von Showtime möglicherweise nicht jedermanns Geschmack trifft, ist sie unbestreitbar ein Fest für die Augen. Und Rhys Meyers vermittelt den Geist von Henry, indem er einen übergroßen Appetit auf Alles entwickelt.

„Ich spielte ihn so, wie ich selbst handeln würde, wenn ich mit 28, 29 Jahren die absolute Macht hätte,“ erklärt Rhys Meyers. Ich habe nicht den Körper von Henry, wissen Sie? Also musste ich alles selbst gestalten. Ich musste diesen unglaublich starken, machtvollen Mann darstellen, ohne
dass ich 1,95 m groß und 150 kg schwer bin.“ „Ich musste seinen Intellekt größer gestalten, als von jedem anderen,“ fährt er fort. „Ich musste seinen Ehrgeiz größer gestalten als von allen anderen. Ich musste seine Energie größer gestalten als von allen anderen. Und ich musste aus ihm den gefährlichsten Mann im Gerichtshof machen.“ Beide, Rhys Meyers und Hirst, geben zu, dass sie sich während der Produktion des gewaltigen Henry VIII sehr wohl bewusst waren, dass sie die Reihe von Keith Mitchell, Charles Laughton und Richard Burton fortsetzen. „Wir wollten nicht etwas wiederholen, was schon mal gemacht wurde,“ sagt Rhys Meyers.“Dies ist meine Interpretation, ohne irgend jemand anderen zu imitieren. Es ist meine Interpretiation, wie es sein würde mit 29 Jahren, athletisch und mit der absoluten Macht über alles. Und ich muss sagen, dass es schön ist, König zu sein.“ „Wir wollten der Rolle auch Lebendigkeit, jugendliches Ungestüm und Energie geben,“ sagt er. „Denn Henry’s Geschichte ist ein langer Weg. In der ersten Staffel hat er noch nicht mal Anne Boleyn geheiratet. Er muss einen sehr, sehr langen Weg gehen, daher wollten wir ihn jung beginnen lassen damit er wachsen kann, genauso wie der Charakter sich mit der Zeit entwickelt.“ In diesen Tagen und im Zeitalter vom methodischen Schauspiel, sagt Rhys Meyers, dass er nicht viel Nachforschung für die Rolle betrieben hat, da Hirst wollte, dass er im Grunde seine Hinweise aus den individuell auf den Stil des Schauspielers zugeschnitten Textpassagen nehmen sollte. „Ich bevorzuge, Henry in das Jetzt zu versetzen,“ sagt Rhys Meyers. „Ich möchte, dass die Leute ihn lieben und hassen. Ich meine, er ist ein Bastard, aber er ist ein interessanter Bastard. Und, wissen Sie, durch die Kostüme und die Art der Beleuchtung, machten sie aus ihm einen attraktiven Bastard. Niemand wird sich zehn Stunden lang für den guten Jungen interessieren.“ „Der König ist auch intellektuell, eifrig, aggressiv, unsicher, anfällig – all diese Dinge,“ wundert er sich. „Und ja, in der Tat, er ist unnatürlich arrogant. Aber jemand, der von Gott zum Priester geweiht wurde und ein eigenes Land besitzt, hat eine gewisse Arroganz, die er mit sich bringt.“ Dieser König ist auch sexuell viel aktiver. Henry geniest Liebesszenen die verspielt, lustvoll und häufig sind. Darum hat die Serie auch einige Vorschusslorbeeren bekommen, was Rhys Meyers zu verwirren scheint. „Denken Sie daran, es gibt kein Fernsehen,“ sagt er. „Sex war sehr, sehr wichtig. Das hatte man nach Sonnenuntergang getan. Da waren einige Leute die sowas sagten wie, ‘Oh mein Gott, er bekommt einen Blow Job!’ Und ich sagte in etwa, ‘damals gab es auch Blow Jobs.’ Ich denke, sie waren damals im 15. Jahrhundert sexuell viel geselliger als wir es heute sind.“

In der Tat, Henry’s Hof scheint ein sehr modernes Hollywood zu sein. Und da er die größte Berühmtheit seiner Zeit ist, hat er seine eigenen Anhänger und seine eigene Gefolgschaft, jederzeit bereit, die Vorteile dieses inneren Kreises zu nutzen. Alles in allem, spielen seine Männer des Gesetzes oft wie Vince und seine Jungs in HBO’s Entourage, nur dass die meisten von ihnen viel mehr Sex haben und anspruchsvoller sind, wenn`s darum geht, sich zu nehmen, was sie wollen.

„Henry’s Gericht war zu dieser Zeit das schnellste Gericht der Welt,“ stellt Rhys Meyers fest. „Wenn Du nicht in Henry’s Hof warst, warst Du ein Niemand. Es galt dorthin zu kommen und dort zu bleiben; das Mekka des Lernens, das Mekka des Stils, das Mekka der Mode. Es war das Mekka der Unterhaltung. Alles geschah auf seinem Hof.“

Quelle