DER SCHÖNSTE STAR?
Paul Byrne spricht mit dem angehenden irischen Jungschauspieler Jonathan Rhys Meyers, Star aus Todd Haynes Velvet Goldmine.
Jonathan Rhys Meyers ist ein Spinner. Und er ist stolz darauf. Mit 11 Filmen in den letzten zwei Jahren nach seinem Debüt als Attentäter in Neil Jordans Michael Collins scheint Meyers ahnungslos über seinen wachsenden Ruhm zu sein. Heute scheint alles woran Jonathan Rhys Meyers interessiert ist, das Hier und Jetzt zu sein. Das Hier ist das Edinburgh Arts Festival und das Jetzt, der Morgen nach der Eröffnungsnacht. Mit seinem letzten Film, Velvet Goldmine, der letzte Nacht seine UK-Premiere hatte, gab Meyers eine kostenlose Lektion in Bescheidenheit auf der After-Show-Feier.
„Da war ein Kerl, der zu mir kam und mir erzählte, wie toll er den Film fand, und wie er all seinen Freunden davon erzählt hat. Ich war sehr geschmeichelt über all das, bis er sagte: „Also, was tust Du denn so? Bist Du im PR-Bereich oder sowas?“. Das brachte mein Ego ziemlich schnell zurück auf den Boden der Tatsachen.
Nachdem er bereits in den letzten zwei Jahren oder so in (tiefer Atemzug) Suzi Krishnamas „A man of no Importance“, Sue Claytons „The Disappearance of Finbar“, Stephen Poliakoffs „The Tribe“, Fim Hunters „The Maker“ und Albert Sciammas „Killer Tongue“ auf unseren Bildschirmen aufgetaucht ist, hat Meyers die Arbeit an (sogar noch tieferer Atemzug) Mike Fingers „The Loss of Sexual Innocence“, Sandra Golbachs „The Governess“, Michael Radfords „B Monkey“, Nic Roegs „Samson and Delilah“ und, erst vor Kurzem, Ang Lees „Ride with the Devil“ beendet. Und im Augeblick , ist da Todd Haynes leicht bekleidete Bowie Filmbiographie „Velvet Goldmine“ mit Meyers in der Hauptrolle, als glitzerndes Sahnetörtchen Nr. 1, Brian Slade , mit Ewan McGregor, als der Iggy-Verschnitt Curt Wild.
„Ursprünglich sollte ich Bowie spielen“, sagt der in Cork geborene Meyers, „aber dann wurden uns die Rechte an seiner Musik verweigert, also hat Todd schnell das ganze Ding als Fiktion umgearbeitet. Vieles der Kernidee bleibt, mit den Ideen, die Todd über diese Epoche und über die Menschen die darin aufgewachsen sind, hatte. Daher bleiben natürlich noch starke Gemeinsamkeiten zwischen meinem Charakter und dem von Bowie, aber die Freiheit die das Nichtspielen von Bowie mit sich brachte, war ungeheuer erleichternd.
Gerade 21 geworden, gibt Meyers bereitwillig zu, dass er nur ein kleines Wissen über den Bowie hatte, der mit seinem beachtlichen Material durch die 70er stolzierte, und über die Handlung seines Films sagt er, dass er sich absichtlich nicht in den Mann und seine Musik vertieft hat, bis der Film zu Ende gedreht war.
„Ich wollte nicht zu viel von ihm beeinflusst werden. Brian Slade ist ein fiktiver Charakter und ich dachte es sei wichtig, dass ich diese Reise vom eigenartigen Teenager zum außerirdischen Rockgott mit genauso viel Überraschung und Neugier trage, wie Slade es tun würde. Die Musik, die ich dafür gehört habe, waren die 50iger und 60iger Jahre Rhytm and Blues, die Bowie verschlungen haben musste. Anschließend gelangte ich zur 70iger Jahre Ära Bowies und es hat mich umgehauen.“
Nachdem ich mit Meyers schon vor etwas über einem Jahr gesprochen hatte, entschied ich, ein paar alte Fragen noch mal zu stellen um zu sehen, ob er noch auf die gleiche Weise fühlt. Übers Schauspielern, sagtest Du, „Ich habe keinen blassen Schimmer was ich tue; ich tue nur, was ich fühle“.
„Und ich fühle immer noch so. Ich habe das Stadium, wo ich einfach an- und abschalten kann, noch nicht erreicht; ich muss ständig im Charakter sein. Ich habe nicht viel Theater gemacht, aber im Theater kannst Du jemand anderes sein. Es ist sehr laut, sehr ausdrucksstark, während Filme das sehr stark dämpfen. Und ich fühle immer noch, dass ich keine Ahnung habe, was ich da eigentlich tue, bis ich es tue. Es ist, als würde ich die ganze Zeit träumen. Und wenn Du am Set bist, bringen Dich die Kostüme und der Schauplatz sofort in die Epoche. Also ist alles, was Du tun musst, ehrlich mit Dir selbst zu sein, sogar wenn es nicht die Emotion ist, die der Charakter zu dieser Zeit fühlen soll. Das Publikum weiss, wann Du ehrlich warst.“
Du hast ja auch gesagt, dass Du Dich nicht stundenlang auf eine Rolle vorbereitest, Du machst es einfach. Hat sich das geändert?
„Ich bereite mich nicht vor, weil es für mich spontan, unberechenbar sein muss. Denn ich bin eine sehr unberechenbare Person. Es muss da sein und funktionieren. Wenn ich etwas dreimal proben muss, bin ich gelangweilt.“
Denkst Du immer noch, dass Filme ein Sprungbrett für Dich sind, da Filme nicht Dein wahres Leben sind?
„Ja, weil ich nicht versuchen, Dinge zu ernst zu nehmen. Falls ich keinen anderen Film machen würde, würde es mir nichts ausmachen. Auf etwas zurückzuschauen, was Du vor einem Jahr gemacht hast, ist sowieso schon ziemlich seltsam; es ist fast, als ob Du Dich selbst nicht erkennst, es ist so weit weg. Also, wenn Leute kommen und sagen „super Arbeit“, zählt das nicht wirklich. Ich denke, ich muss warten, bis ich alt und unglaublich eingebildet bin, bevor ich anfange auf das zurückzuschauen, was ich geleistet habe.“





